Viele Weintrinker sind immer noch der Meinung, dass Rotwein aus roten Trauben und Weißwein aus weißen Trauben hergestellt werden. Nach diesem Beitrag weißt Du aber hoffentlich, dass diese Annahme nicht stimmt! Außerdem wirst Du lernen, wie Du die unterschiedlichen Weinarten am besten klassifizieren und unterscheiden kannst! 

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Rotwein

Rotwein besteht nicht, wie man zuerst denken könnte, aus roten Trauben, sondern aus blauen Trauben. Presst man aus einer Traube den Saft aus, ist dieser unabhängig von der Farbe der Traube immer hell. Somit stammt die rote Farbe nicht aus dem eigentlichen Fruchtfleisch der Weintrauben, sondern aus der Haut der Beeren. Deshalb muss man den Saft und die Beerenhaut zusammen gären lassen, damit die Farbe in den Saft mit übergeht. Dieses Gemisch aus Saft und den zerdrückten Beeren nennt man Maische. Um den Rotwein aber besser differenzieren zu können, kann man ihn in 4 Kategorien einteilen:

 

1. Leichter Rotwein:

Diese Weine sind auch als Zechweine bekannt. Sie gehören zu den preiswerteren Varianten, die es schon ab 5 € im Supermarkt zu kaufen gibt. Dementsprechend fällt der Geschmack und die Farbe sehr leicht aus. Dafür schmecken sie sehr fruchtig, wirken saftig und weisen wenige Tannine auf. (Tannine sind für den trockenen Geschmack verantwortlich). Diese Sorte eignet sich perfekt zu leichten Speisen.

Zu den typischen Rebsorten gehören der Lemberger und Trollinger. 

2. Mittelkräftiger Rotwein:

Diese Kategorie ist etwas vollmundiger, aber nicht sehr frucht-betont. Vom Geschmack sind sie im Gegensatz zu den leichteren Rotweinen viel würziger, oft mit spürbaren Gerbstoffen, aber dennoch nicht zu schwer. Viele Weintrinker empfinden den Geschmack aber als noch zu dünn.

Zu den beliebtesten Rebsorten gehört der Spätburgunder und der Sangiovese. 

3. Schwerer Rotwein:

Die schweren Rotweine genießen eine große Beliebtheit bei den Weinkennern. Sie schmecken sehr voll, die kräftigen Aromen stehen im Vordergrund und zudem weisen sie eine intensive Fruchtnote auf. Am schnellsten erkennt man diese Rotweinklasse an ihrer dunklen Rotweinfarbe.

Zu den beliebtesten Sorten gehört der Merlot und Primitivo. 

4. Tannin starker Rotwein:

Tannine sind die Stoffe im Rotwein, die einem das Gefühl geben, dass sich der Gaumen zusammenzieht. Diese Kategorie ist sehr speziell und nicht jeder kann sich mit dem Geschmack anfreunden. Dennoch wird Tannin im Alter etwas reifer und milder, dessen Geschmack die meisten dann bevorzugen.

Cabernet Sauvignon gehört hier zur bekanntesten Rebsorte. 

Der Preis der Weine steigt mit jeder Kategorie an! 

Weißwein

Weißweine gehören durch ihren frischen und fruchtigen Geschmack zu den besten Sommerbegleitern! Daher eigenen sie sich auch am besten zu leichten Speisen wie diversen Salaten, hellen Fleisch- und Fischgerichten. 

Wie schon erwähnt, hat die Farbe der Traubenhaut nichts mit dem Traubensaft zu tun. Daher ist es in den meisten Fällen beim Weißwein auch unerheblich, ob die Farbe der Beerenhaut grün oder rot ist. Wichtig ist nur, dass bei der Herstellung von Weißwein die farbige Schale der Frucht nicht weiterverarbeitet wird, damit der Wein hell bleibt. Das bedeutet, dass man den Saft der Traube vorher auspresst und es ohne Schale gären lässt. Ein typischer Weißwein, welcher aus einer roten Rebsorte gemacht wurde, ist beispielsweise der Grauburgunder. 

Wie auch den Rotwein kann man den Weißwein in verschiedenen Kategorien nach Intensität und Schwere einordnen:

 

1. Leichter Weißwein:

Leichte Weine sind, besonders für Einsteiger, ideale geeignet. Sie schmecken sehr leicht, fruchtig, erfrischen und weisen einen nicht so hohen Alkoholgehalt auf. Diese stammen sehr häufig von Rebsorten, die besonders viele Trauben pro Rebe liefern. Zu den beliebtesten Rebsorten gehört der Rivaner und Soave und Lugano. Beim Weißwein kann man aber nicht, wie beim Rotwein, anhand der Rebsorte wissen, welcher Wein qualitativ hochwertiger ist. Denn auch bei den leichten Weißweinen können Rebsorten wie der Chardonnay, Riesling, Weißburgunder und Sauvignon Blanc verwendet werden, die man normalerweise eher bei den mittelschweren bzw. kräftigen Weißweinen findet. Daher kann man nur anhand des Preises festmachen, ob es ein Einsteiger- oder Kennerwein ist. 

2. Mittelschwerer Weißwein:

Diese Weine bestehen aus sehr reifen Trauben. Das Problem an sehr reifen Trauben ist, dass viele Trauben anfangen zu faulen. Diese muss der Winzer zuerst aussortieren, was zu Folge hat, dass die Ernte viel kleiner wird. Vom Geschmack sind sie aber viel kräftiger und weisen mehr komplexe Aromen auf. Zu den typischen Rebsorten gehört der Riesling, Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay. 

3. Kräftiger Weißwein:

Diese Weißweinsorte ist nochmal viel intensiver und komplexer. Die Trauben sind meistens hochreif und unterliegen einem strengen Selektionsverfahren. Dadurch fällt die Ernte sehr gering aus. Zudem werden sie meist in einem kleinen Holzfass ausgebaut und lange gelagert. Das gibt dem Wein eine zusätzliche Holznote und Tannin-Geschmack. Diese Weinsorte sollte man aber nicht mal nebenbei trinken, sondern sich vorher gut mit beschäftigen. Die Rebsorten sind die gleichen, die man auch bei den mittelschweren Weine finden kann.

Der Preis der Weine steigt auch wie beim Rotwein mit jeder Kategorie an! 

Roséwein

Wir wissen nun, was Rotwein und Weißwein ist. Roséwein müsste ja dann eine Mischung aus den beiden Weinsorte sein? Wer das glaubt, liegt leider nicht ganz richtig, denn diese Methode ist fast überall verboten.

Doch wie genau stellt man nun Roséweine her? Auf diese Frage gibt es gleich 3 Antworten. Denn es gibt nicht die eine richtige Herstellung, die jeder Winzer gleich macht! Aus diesem Grund können Roséweine auch derart unterschiedlich schmecken! Welches Verfahren angewandt wurde, kann man übrigens meist daran erkennen, wie intensiv die Farbe ist. 

 

Direkte Pressung für ein helles Rosa

Bei dieser Methode wird fast genauso vorgegangen, wie bei der Herstellung von Weißwein. Die blauen Rotweintrauben werden direkt gepresst und ohne Schale vergoren. Da der Saft der Traube kaum Farbpigmente enthält, entsteht ein sehr helles rosa. Außerdem befinden sich in der Schale die intensivsten Aromen und Tannine, weshalb man durch dieses Verfahren einen sehr leichten Sommerwein kreieren kann. 

Die Mazeration für ein mittleres Rosa

Diese Methode ist die gängigste Methode bei den Winzern. Hierbei wird der Roséwein so ähnlich hergestellt wie Rotwein. Der einzige Unterschied liegt darin, dass man die Maische (das Gemisch aus Saft und Beerenhaut) nur für einige Stunden stehen lässt. Dadurch kön­nen nur weni­ge Farb­stof­fe in den Most über­ge­hen und man erhält eine hellrote Färbung. Aus diesem Grund schmecken die Weine viel frischer und fruchtiger als Rotweine und sind zudem auch nicht so tanninhaltig.

Saigneé-Verfahren für ein intensives Rosa

Bei diesem Verfahren werden Rosé und Rotwein gleichzeitig hergestellt. Wie auch bei der Mazeration werden die Rotweintrauben leicht angequetscht, sodass der helle Saft entweichen kann und es zur sogenannten Blutung (sanguis) kommt. Allerdings werden anschließend nicht die Schalen entfernt, sondern nach wenigen Stunden wird ca. 20-30 % des roséfarbenen Mostest abgezogen und in einem separaten Tank vinifiziert. Aus diesem Grund bleibt im Maischgärtank ein höherer Anteil Schale pro Saft, was einen kräftigeren Rotwein ergibt. Der abgezogene Saft wird dann zu Roséwein weiterverarbeitet, der vergleichsweise zu den anderen Roséweinsorten dunkler und geschmacksintensiver ist.

Merke Dir:

Für Roséweine gibt es keine besondere Rebsorte; Grundsätzlich kann Roséwein aus allen Reben bestehen, aus denen auch ein Rotwein entsteht. 


  Zusammenfassung

  1. Die Farbe der Traube hat nichts mit der Farbe des Traubensafts zu tun. Ob letztendlich ein Weiß- oder Rotwein entsteht hängt nur davon ab, ob die Beerenschale (in der sich die Farbpigmente befinden) mit dem Saft der Trauben zusammen gärt, oder nicht. So kann ein Weißwein auch aus blauen Trauben entstehen.
  2. Man kann Rotwein in 4 Kategorien aufteilen: Die leichten Rotweine, die mittelkräftigen Rotweine, die schweren Rotweine und die Tannin starken Rotweine. Der Preis sowie die Intensität des Geschmacks steigt in jeder Kategorie an!
  3. Weißweine kann man in 3 Kategorien aufteilen: Die leichten, mittelschweren und kräftigen Weißweine. Wie auch bei Rotweinen steigt in jeder Kategorie der Preis und die Geschmacksintensität an. Im Allgemeinen sind Weißweine aber im Gegensatz zu Rotweinen viel frischer und fruchtiger vom Geschmack. 
  4. Roséweine unterscheiden sich hauptsächlich im Bezug auf ihre Herstellung. Grundsätzlich kann man 3 verschiedene Verfahren unterscheiden: Die direkte Pressung, die Mazeration und das Saigneé-Verfahren. Welches Verfahren das Beste ist, kann nicht eindeutig gesagt werden. Sie unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie kräftig die Farbe des Roséwein ist.

Wie ihr seht, ist Wein nicht gleich Wein. Es gibt eine sehr große Vielfalt, welche sich durchaus lohnt genauer zu erkunden! Wenn Du in die Weinwelt tiefer eintauchen möchtest, dann schau Dir doch mal unsere Tasting-Angebote an!

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